Bad Brückenau
Wie Mineralwasser von der Quelle in die Flasche gelangt
Die Staatl. Mineralbrunnen AG in Bad Brückenau befüllt stündlich 40 000 Glas- und 24 000 PET-Mehrwegflaschen mit Wasser und Erfrischungsgetränken
Es ist ein bisschen wie mit gutem Wein - echtes Mineralwasser muss reifen. Es wird direkt an der Quelle abgefüllt und ist von ursprünglicher Reinheit. Wie aber entsteht das kühle, gesunde Nass – und gelangt am Ende in die Flasche? Eine, die sich sehr gut mit den Produktionsabläufen auskennt, ist Astrid Kramm. Die 40-jährige Diplom-Ingenieurin für Lebensmitteltechnologie ist bei der Staatl. Mineralbrunnen AG für Qualitätskontrollen und Probeentnahmen zuständig. Das heißt: Sie begleitet den Abfüllprozess vom Betriebseingang bis zum Endprodukt.
Langer Weg durch die Tiefen der Erde
Doch ehe Mineralwasser in die Flasche kommt, muss es erst einmal einen jahrhundertelangen Weg durch die Tiefen der Erde zurücklegen. Würde man die Erdkugel mittig durchschneiden, sähe man viele unterschiedliche Gesteinsschichten mit ganz verschiedenen Eigenschaften – vom porösen Buntsandstein bis zu „wasserfesten“ Schichten aus Ton, Schiefer oder Zechstein. Wenn Regenwasser tief ins Erdinnere sickert, passiert es diese Erdschichten. Dabei filtern sie Stoffe wie Schmutz aus dem Wasser heraus und fügen Mineralien hinzu. Auch Kohlensäure gelangt über Vulkangestein unterirdisch ins kühle Nass. Resultat: Kein unterirdisches Mineralwasservorkommen entspricht in seiner Zusammensetzung exakt einem anderen.
Fünf Quellen sprudeln im Staatsbad
Im Staatsbad Brückenau gibt es insgesamt fünf Quellen, die naturreines Mineral- und Heilwasser zum Sprudeln bringen. Schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts ist die Region Heilquellenschutzgebiet und damit frei von landwirtschaftlicher Intensivnutzung und Industrie, um das hochwertige Gut rein zu halten. Die Quellen zählen zu Deutschlands kochsalzärmsten Heil- und Mineralquellen und sind nahezu nitrat- und nitritfrei.
Direkt am Quellort abgefüllt
Die Staatl. Mineralbrunnen AG hat die Quellen im Staatsbad Bad Brückenau vom Freistaat Bayern gepachtet, drei nutzt sie derzeit: die Sinnberger Heilquelle, die König-Ludwig-Quelle sowie die Wernarzer Heilquelle. Für deren Reinheit ist der Freistaat verantwortlich. Mineralwasser – so will es die Mineral- und Tafelwasserverordnung – muss direkt am Quellort abgefüllt werden, lediglich Kohlensäure wird im Staatsbad zugesetzt. Erlaubt wäre theoretisch zudem, Eisen- und Schwefelbestandteile zu entziehen – das ist hier jedoch nicht nötig. Und: Als einziges Lebensmittel überhaupt in Deutschland braucht Mineralwasser eine amtliche Anerkennung, für die rund 200 Einzeluntersuchungen notwendig sind.
Über Edelstahlleitungen gelangt das Wasser zum Unternehmen, ab Eingang ins Betriebsgebäude fließt es in dessen Zuständigkeitsbereich – und steht nun unter permanenter Kontrolle: Mikrobiologische Probenahmen vom Betriebseingang bis zur abgefüllten Flasche sowie chemische, technische und hygienische Untersuchungen sind laut Diplom-Ingenieurin Astrid Kramm Pflicht.
In Glasflaschen länger haltbar
Zunächst wird das Mineralwasser in großen Tanks gesammelt, mikrobiologisch beprobt – und erst wenn die Untersuchungsergebnisse vorliegen zur Abfüllung freigegeben. Jetzt wird laut Kramm das jeweilige Wasser gewählt und, je nachdem ob naturell, medium oder spritzig, mit der nötigen Menge Kohlensäure versetzt – 7,5 Gramm bei spritziger Abfüllung in PET-Flaschen, sieben Gramm bei Abfüllung in Glas. „Glas lässt absolut keinen Sauerstoff rein oder raus, daher ist Wasser in Glasflaschen auch länger haltbar als in PET-Mehrwegflaschen“, erklärt die Diplomingenieurin die abweichenden Werte. Hintergrund: Glas ist inert – das heißt, es verhält sich völlig neutral gegenüber dem Füllgut und es findet keine Wechselwirkung statt. Glas nimmt keine Aromen auf, ebenso wenig gibt es Inhaltsstoffe ab.
Kästen und Flaschen fahren getrennte Wege
Parallel wird das Leergut für die Wiederbefüllung bereitet – wie alle anderen Schritte auch im vollautomatischen Prozess. Kästen und Flaschen fahren bei der Reinigung getrennte Wege. Alle Schraubverschlüsse werden durch einen sogenannten Abschrauber entfernt. Die Flaschen laufen dann zur Flaschenwaschmaschine. Hier werden Restinhalte entleert, die Etiketten gelöst und die Flaschen gereinigt, mit Frischwasser ausgespritzt und somit auch gleich abgekühlt.
Vollautomatischer Leerflascheninspektor
Denn: Das natürliche Mineralwasser hat bei der Befüllung eine Temperatur von gerade einmal 13 bis 15 Grad Celsius, Glasmehrwegflaschen aber werden bei einer Temperatur von 80 Grad Celsius gereinigt und würden durch den immensen Temperaturunterschied zerbersten. Ein vollautomatischer Leerflascheninspektor schließlich prüft die gereinigten Flaschen auf Restflüssigkeit, Mündungs-und Gewindeschäden, Haarrisse und Fremdkörper – und sortiert fehlerhafte Glasmehrwegflaschen aus. Nur perfekte Flaschen werden neu befüllt.
"Schnüffler" untersucht die Flaschen
Anders indes verläuft die Reinigung bei PET-Flaschen im Werk in Oberleichtersbach, da sie der hohen Temperatur nicht standhalten würden. Deshalb kommt hier der zwei Millionen Euro teure „Sniffer“ – zu Deutsch: Schnüffler – ins Spiel. Gereinigt wird bei 58 bis 60 Grad Celsius, der „Schnüffler“ untersucht die Flaschen dann mittels hochempfindlicher Sensorsysteme auf Fremdstoffe. „Was viele nicht wissen ist: Hellblaue PET-Flaschen sind nur für Wasser, transparente indes für Süßgetränke“, betont Kramm. Was aber passiert, wenn man zu Hause Saft in eine blaue Wasserflasche füllt? „Die Fruchtsäuren setzen sich im Kunststoff fest, der Schnüffler erkennt dies und wir müssen die Flasche aussortieren und entsorgen“, so die Diplom-Ingenieurin.
Über 120 Füllventile im Staatsbad Bad Brückenau
Befüllt werden Glasmehrweg- und Kunststoffmehrwegflaschen dann wieder auf die gleiche Art: Über 120 Füllventile allein im Werk im Staatsbad Bad Brückenau laufen bis zu 40.000 Flaschen pro Stunde voll und werden sofort verschlossen. Glasmehrwegflaschen werden noch etikettiert und mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum versehen. Jetzt passieren die Flaschen die Füllhöhenkontrolle – dabei dürfen Sie weder unter- noch überfüllt sein. Über Transportbänder geht es weiter zum Einpacker, dann zur Palettierung. „Alle Paletten werden schließlich mit einem Barcode versehen, der die genaue Rückverfolgung des Produkts ermöglicht“, erläutert Diplom-Ingenieurin Kramm.
Stündlich 40.000 Glas- und 24.000 PET-Flaschen
„Die Arbeiten selbst übernehmen bei uns allesamt Maschinen – trotzdem ist der Mensch aus der Produktion nicht wegzuradieren“, betont die 40-Jährige. Die Mitarbeiter trügen immense Verantwortung, denn: Wichtig sei, bei Defekten sofort zu reagieren, die Schadenssumme sei sonst beträchtlich, die Konsequenz extrem. Verständlich wird dies beim Blick aufs Produktionstempo: Stündlich verlassen rund 40.000 Glas- und 24.000 PET-Flaschen die Produktionshallen.
Trotzdem gelangt hier weniger Lärm als erwartet ins Freie: Die Staatl. Mineralbrunnen AG hat verschiedene Maßnahmen ergriffen, um mitten im Kurgebiet so leise wie möglich zu arbeiten – mittels weich geführter Transportbänder, eingekapselte Maschinen und Dämm-Materialien an Wänden und Decken.
Wer den Weg des Mineralwassers von der Quelle in die Flasche mit eigenen Augen verfolgen möchte, kann sich bei der Staatl. Mineralbrunnen AG zu einer Betriebsbesichtigung anmelden. Ein entsprechendes Formular gibt es im Internet unter www.badbrueckenauer.de

































