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Stundenlang möchte der Zuhörer lauschen, wenn Gabriele Freifrau von Thüngen aus ihrem Leben erzählt. Foto: mar

 

Weißenbach

Von Güte und großer Herzenswärme

Aufgewachsen im Schloss Eichholz im heutigen Polen, die Landwirtschafts-Ausbildung, die Flucht aus der niederschlesischen Heimat nach Leitmeritz an der Elbe, die Odyssee über Magdeburg nach Weißenbach - Gabriele Freifrau von Thüngen hat viel erlebt. Und wenn sie erzählt, möchte ihr der Zuhörer stundenlang lauschen. Diese Einblicke in das Leben der 94-Jährigen sind geprägt von der Liebe zur Familie, von Güte und der großen Herzenswärme einer großartigen Frau.

Eine ehemalige Wasserburg war das Schloss, erinnert sich Gabriele Freifrau von Thüngen sehr gern daran, dass es umgeben war von Wasser. Über drei Brücken führte der Weg. "Wir konnten dort immer baden und im Winter Schlittschuh laufen rund ums Haus." In Liegnitz gingen sie und ihre Schwester zur Schule, die drei Brüder besuchten die Ritterakademie. Mit dem Auto wurden die Mädchen vormittags in die acht Kilometer entfernte Stadt gefahren und mittags wieder abgeholt. "Meine Lieblingsfächer waren Geschichte, Deutsch und Turnen." Sehr gern mochte sie Leichtathletik, "im Laufen war ich König", lacht sie.

Es war eine Frauen-Oberschule, die Mädchen legten ihr Werkabitur ab, wie es damals genannt wurde. "Wir mussten auch kochen", darauf wurde seinerzeit in der Ausbildung der jungen Damen Wert gelegt. Gabriele Freiin von Zedlitz und Neukirch, so ihr Geburtsname, wollte Landwirtschaft lernen. Das war ihr wichtig. "Doch das klappte erst noch nicht", erinnert sie sich. Das allerdings hatte auch etwas Gutes. "Ich verbrachte ein halbes Jahr in Dresden." Dort genoss sie Kunst und Kultur, konnte Ausstellungen besuchen, es war eine schöne Zeit. "Und ich habe meinen Führerschein gemacht. Da musste man auch genau erklären, wie ein Motor funktioniert", weiß sie noch ganz genau.

Schließlich klappte es mit der Ausbildung. "Ich war Elevin bei dem berühmten Landwirt Herzog bei Steinau an der Oder." Er hatte schlesisches Rotvieh, das war besonders brauchbar zum Ziehen. "Mein Lehrmeister war der Vogt Kunzendorf, er war auch ein ganz ausgezeichneter Landwirt", erinnert sie sich sehr gern an ihre Ausbildung. Nach zwei Jahren legte sie ihre Prüfung ab und arbeitete dann auf Gut Neukirch im Katzbachtal, das auch ihrer Familie gehörte. Dort blieb sie, bis der Zweite Weltkrieg begann.

"Ich wollte helfen und habe mich als Schwester gemeldet", blickt Gabriele Freifrau von Thüngen zurück. Sie musste eine Ausbildung von einem halben Jahr absolvieren, arbeitete zunächst in Breslau in einem Standortlazarett. Dann wurde sie nach Warschau geschickt. "Ich habe diese Arbeit im Lazarett sehr gern gemacht."

Inzwischen hatte auch die Liebe "zugeschlagen". Am 2. August 1942 heiratete sie ihren Gotthard von Czettritz und Neuhaus. "Ich bekam Hochzeitsurlaub und durfte zwei Wochen nach Hause." Die beiden hatten sich im Lazarett wieder getroffen, kannten sich schon aus ihrer Kindheit. Seine Familie besaß ein sehr schönes Gut bei Jauer. Als Kind war sie oft auf das Nachbargut eingeladen, "und die Czettritz-Kinder waren auch da". Es sei ein herrliches Gut gewesen, "dort konnte man wunderbar spielen".

Der Hochzeitsurlaub war zu Ende, sie blieb in Warschau, er musste wieder in den Krieg. Und er kam nicht mehr zurück. Weihnachten 1942 verstarb er nach schwerer Verwundung im Lazarett in Smolensk.

"Es war ein Kind unterwegs und er hatte sich schon so darauf gefreut", erinnert sich Freifrau Gabriele von Thüngen. Ihr Sohn erblickte im Juni 1943 das Licht dieser Welt, sie gab ihm den Namen Gotthard. Wie es weitergeht, das erfahren Sie am kommenden Freitag.

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mar

    In Schloss Eichholz im heutigen Polen wuchs die Baronin auf. Foto: Archiv Lutz Freiherr von Thüngen

     

    Mit Söhnchen Gotthard. Foto: Archiv Lutz Freiherr von Thüngen

     

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