Bad Brückenau
Sie werden alle den Hut ziehen...
Im Archiv von Josef Lisiecki (†) gestöbert: Erinnerung an den beinahe vergessenen Weiler Dörrenberg.
Dazu schrieb der Heimatforscher Josef Lisiecki:
Selbst wenn man heute ältere Bürger des früheren Landkreises Bad Brückenau fragt: "Kennen Sie den Namen Dörrenberg?" – ist eine vage Antwort nicht selten. "Ja, den Namen habe ich schon einmal gehört." Mehr ist meistens nicht in Erfahrung zu bringen. An dieser Stelle nun soll das "Geheimnis" gelüftet und gleich dazu eine Schmunzelgeschichte aus Dörrenberg erzählt werden.
Am Nordhang des Kleinen Sinntals, 500 Meter nordwestlich der 1938 abgesiedelten Gemeinde Neuglashütten, lag vor der Errichtung des Truppenübungsplatzes Wildflecken der schöne Weiler Dörrenberg. Auch für dieses „Minidorf“ mit seinen 47 Seelen schlug 1938 die Stunde des Abschieds.
Dörrenberg gehörte zur Gemeinde Kothen. Das dortige Gotteshaus war sechs Kilometer vom Weiler entfernt. Ganze zwölf Kilometer Hin- und Rückweg mussten die Gläubigen für einen Kirchenbesuch zurücklegen, und das meist zu Fuß, denn wer konnte sich in jenen Tagen schon ein Fahrrad leisten, ganz zu schweigen von einem Motorrad oder gar Auto.
Die "Kenn vo Dörrebarch" (Kinder von Dörrenberg) besuchten vor 200 Jahren die nahegelegene Schule in Neuglashütten. Als diese dann später geschlossen wurde und eine Lokalkaplanei in Altglashütten ihrer Pforten öffnete, wurden Gottesdienst und Schulunterricht nach Altglashütten verlegt. Ein Fortschritt, denn aus Sicht der Dörrenberger betrug die wegstrecke nun nur noch 1 500 Meter.
Damit wäre klar, dass es sich bei dem Namen Dörrenberg keinesfalls um eine Erfindung handelt. Wahr sein soll zudem eine interessante Geschichte, die sich, so wird berichtet, in dem Weiler zugetragen habe. Demnach hatte der Steinmetz August wiegand im Jahre 1880 ein schönes Steinkreuz gemeißelt. Die Stifterin war die Gattin eines Oberförsters gewesen. Diese lag allerdings mit den Bewohnern ihrer Siedlung in "Dauerstreit". Niemand schenkte ihr Beachtung, nicht einmal einen Gruß wollte man ihr schenken.
Eines Tages prophezeite die Frau: "Die Dörrenberger werden noch alle vor mir den Hut abnehmen!" Doch statt Anerkennung zollten die Einwohner der Frau lediglich Spott. Schließlich dachte niemand daran, dem Ausspruch der Ungeliebten Glauben zu schenken. Daraufhin ließ die Frau eines Tages vor ihrem Haus im Garten ein großes Steinkreuz mit einem Christopherus aufstellen. Tatsächlich nahmen von dieser Stunde an alle gottesfürchtigen Bürger des Weilers und der umliegenden Dörfer vor diesem christlichen Heilszeichen ehrfurchtsvoll den Hut ab, wie es in alten Zeiten Brauch war. Wenn auch auf Umwegen, so war die "Weissagung" der Gattin des Oberförsters nun eigentlich doch in Erfüllung gegangen.
















