Bad Brückenau
Neuer Schwung fürs Hochzeitsparadies
Mit neuem Leben erfüllt werden soll das "Hochzeitsparadies Bad Brückenau". Obwohl dieses heuer quasi "Silberhochzeit" feiert, müssen neue Wege gegangen werden, denn das Alleinstellungsmerkmal ist dahin.
Vor 25 Jahren machte das Hochzeitsparadies Schlagzeilen. Denn 365 Tage im Jahr rund um die Uhr heiraten können, das war (fast) einmalig. Das TUI-Reisecenter der Kurstadt kümmerte sich um die Vermarktung, hier liefen die Fäden für die geschnürten Angebots-Pakete der Trauwilligen zusammen. Die TUI ist im November des letzten Jahres ausgestiegen.
Wie geht es weiter?, fragte sich die Gruppe jener Engagierter, die dem Ganzen neuen Schwung verleihen wollen. "Das Hochzeitsparadies ist unser Baby", erinnert der ehemalige Bürgermeister Hans Rohrmüller an die Aktivitäten gemeinsam mit dem Standesamts-Leiter Hans-Joachim Bauer. Das Alleinstellungsmerkmal weg, die TUI nicht mehr im Boot, die Zahlen sind so stark nach unten gegangen, dass sich der große Aufwand nicht mehr gelohnt hat". Und die Mitarbeiter der Tourist-Information der Stadt haben genügend zu tun, um dies alles allein stemmen zu können... Also erklärte sich Hans Rohrmüller bereit, das Ganze mit seiner Firma JRK (Johann Rohrmüller Kommunaldienste) wieder mit anzuschieben – gemeinsam mit Gudrun Friedrich-Kleine von der Tourist-Info.
Eine entsprechende Präsentation ist vorbereitet, sie wird allen Interessierten in der Auftaktveranstaltung am Mittwoch, 15. Februar, gezeigt. Beginn ist um 19 Uhr in der Georgi-Kurhalle. Firmen, Fotografen, Hoteliers, Inhaber von Blumen- und Schmuckgeschäften sowie Gaststätten usw. – die Palette jener, die sich einbringen können bzw. möchten, ist breit. Deshalb freuen sich die Akteure auf viele Interessierte an dieser Auftaktveranstaltung.
Auch Hans Rohrmüller könnte ein Buch schreiben, denkt er an die vielen Erlebnisse rund um das Hochzeitsparadies. Das Gasthaus "Stern" hatte seinerzeit zwar schon ein eigenes Hochzeitsprogramm, aber ohne die Stadt. Und dann fragte ein Brautpaar bei Hans Rohrmüller an, ob es um Mitternacht heiraten könnte. Das war im Oktober 1987 – als vor fast 25 Jahren. Das Hochzeitsparadies war geboren.
Und er weiß noch ganz genau, wie TUI seinerzeit ins Boot stieg. Denn das ZDF hatte sich angesagt, wollte am 12.12.’88 eine Fernsehtrauung aufnehmen. Doch die Braut bekam kalte Füße – nicht wegen der Hochzeit, aber wegen des Fernsehens. Was tun? Hans Rohrmüller wusste, Dieter Rittig will heiraten – aber auf der Insel Elba und nicht in Bad Brückenau. "Das ZDF kommt, Du musst hier heiraten", schmunzelt der ehemalige Bürgermeister, wenn er an seinen Appell an Dieter Rittig denkt. So kam es dann auch...
Viele Geschichten kann Hans Rohrmüller erzählen. Da war der Firmeninhaber, der mit seiner Lebenspartnerin einen Betrieb führte. Voller Vertrauen unterschrieb er alle Unterlagen, die sie ihm vorlegte. Darunter waren auch jene, die sie für die Trauung in Bad Brückenau benötigte. Alles klammheimlich organisiert, führte der Betriebsausflug mit der Belegschaft direkt ins Eheglück...
Dann war da jenes Paar, dass sich eigentlich splitterfasernackt trauen lassen wollte. Hans Rohrmüller konnte die beiden leidenschaftlichen FKK-Anhänger schließlich doch davon überzeugen, dass sie in Tracht heirateten.
Zwar hatte er nicht wie Hans-Joachim Bauer einen Nein-Sager vor sich, wie in "Verstehen Sie Spaß?" noch heute auf youtube herrlich anzusehen ist, aber die Schweißperlen trieb es ihm schon auf die Stirn, als ein Bräutigam gar nichts sagte. Zwei Mal stellte ihm Hans Rohrmüller die Frage der Fragen: Der Mann antwortete zwei Mal überhaupt nicht. Schließlich hat er doch ja gesagt – und brach in Tränen aus. Er war so angespannt, dass es ihm sprichwörtlich die Sprache verschlagen hatte.
"Wir wollten das Alleinstellungsmerkmal schaffen, den Bekanntheitsgrad von Bad Brückenau steigern, die Gästezahlen erhöhen, die heimische Wirtschaft fördern", blickt er auf das Anliegen. "Wir hatten eine Marktlücke entdeckt", beschreibt Hans Rohrmüller das große Interesse. Fernsehanstalten – vom ZDF bis ntv – gaben sich quasi die Türklinke in die Hand und selbst ein Fernsehteam aus Japan reiste an. Noch heute weiß er ganz genau, dass die Reporterin aus Japan mit über 40 Grad Fieber das Ganze drei Tage lang durchgezogen hat – was für eine Leistung. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Trauung wiederholt werden musste. Denn das ZDF-Team, das gleichzeitig drehte, hatte Probleme mit der Technik: Die Aufnahme war nicht geglückt. Also musste das Paar gleich noch mal ran...
Hans Rohrmüller kann sich auch noch gut daran erinnern, als seinerzeit das Hochzeitsparadies als erstes seiner Art Schlagzeilen machte. Da meldete sich die Gemeinde Wirsberg, auch dort waren Trauungen rund um die Uhr möglich. Doch die Kommune hatte damit überhaupt nicht geworben, "deshalb konnten wir das nicht wissen".
Den Menschen etwas Besonderes bieten, das war und ist das Anliegen. Deshalb waren und sind alle Hotels, Blumengeschäfte, Gaststätten, Autoverleiher, Kaminkehrer, Fotografen, Vereine (beispielsweise Karnevalisten oder Brieftaubenzüchter) usw. gefragt. Jeder von ihnen konnte und kann seine Spezialitäten anbieten – und letztendlich davon profitieren.
Wichtig ist auch, die Region einzubinden. Die Gemeinde Motten ist bereits mit ihm Boot, weil beide Kommunen das Standesamt gemeinsam betreiben. Maria Ehrenberg, Kreuzberg, Wasserkuppe, Fulda, Würzburg... das alles kann auf dem Programm jener stehen, die sich trauen.
Neue Zielgruppen, neue Produkte – viel soll unternommen werden, um dem Hochzeitsparadies wieder auf die Sprünge zu helfen. Da wäre beispielsweise facebook mit mehr als 20 Millionen Nutzern allein in Deutschland – mehr als 90 Prozent davon gehören zur Altersgruppe der 14- bis 49-Jährigen.
Und der Blick geht nach Fernost: Dort kostet eine Hochzeit durchschnittlich 25.000 Euro, in Deutschland sind es 13.000 Euro. In China ist es üblich, zur Hochzeit zu verreisen. Auch hier liegt ein im wahrsten Sinne des Wortes gewaltiges Potenzial. Ebenso die Partnerstädte Ancenis in Frankreich und Kirkham in Großbritannien sollten mit eingebunden werden.
Und nicht nur jene, die in Bad Brückenau den Bund für Leben schließen wollen, sollen angesprochen werden. Denn da gibt es ja auch Paare, die ihre Silberhochzeit oder die goldene Hochzeit feiern möchten. Rundum-Sorglos-Pakete von der Trauung über die Blumen, den Sektempfang, den Fotografen bis hin zur Übernachtung und sogar einem Feuerwerk – all dies ist möglich.
Heuer jedenfalls feiert das Hochzeitsparadies selbst "Silberhochzeit", und zwar vom 26. bis zum 28. Oktober. Einladungen gehen an über 2000 Paare, die in diesen 25 Jahren geheiratet haben und noch Paare sind. Das Ganze geht mit einer Hochzeitsmesse in der Georgi-Kurhalle über die Bühne.
Gudrun Friedrich-Kleine und Hans Rohrmüller sind die Bindeglieder zwischen den Heiratswilligen und den Anbietern vor Ort. Hans Rohrmüller betraut, gerade weil das Hochzeitsparadies sein und Hans-Joachim Bauers Baby ist, in seiner Firma JRK einen Mitarbeiter mit den notwendigen Aufgaben.
Nach der Auftaktveranstaltung am Mittwoch, 15. Februar, sollen das Grobkonzept und die Verträge erarbeitet werden, dann kann Mitte Mai das neue Hochzeitsprogramm starten. Jeder, der sich mit Ideen einbringen möchte, ist herzlich willkommen...

















