Bad Brückenau/Bischofswiesen
Maximilian auf dem Siegertreppchen
Maximilian Jäger strahlt über das ganze Gesicht: Er hat sich bei der Bayerischen Meisterschaft für Kinder und Jugendliche mit Handicap in der Disziplin Slalom den 3. Platz geholt. Und ebenfalls Dritter wurde er beim Youngster Cup. "Bei der Siegerehrung sind mir die Tränen gekommen", ist sein Vater Thomas Jäger sichtlich gerührt. Und Maximilian hat sich wahnsinnig gefreut.
Es ist schon ein nicht nur kleines Wunder, was Maximilian leistet, wie ehrgeizig er seine Ziele verfolgt. Er hatte einen vorgeburtlichen Schlaganfall erlitten, seine linke Köperhälfte ist von Lähmungserscheinungen betroffen, dazu kommt die Epilepsie. Aber schon als kleiner Junge gab er nie auf, wenn er sich etwas vorgenommen hatte. Dazu gehörte beispielsweise das Radfahren. Er probierte so lange, bis es klappte. Dann entdeckte er seine Liebe zum Skifahren. Und sein großes Ziel ist es, an den Paralympischen Spielen im Jahr 2018 teilnehmen zu können. Im Nachwuchsteam der Paralympic Skiteams mischt er bereits mit. Seine Eltern unterstützen den Zwölfjährigen, wo sie nur können.
Und jetzt stand Maximilian beim Youngster Cup und im Slalom der Bayerischen Meisterschaften auf dem Siegertreppchen – sein Vater ist zunächst sprachlos. "Er macht in der Disziplin den 3. Platz, in der er noch nie durchgekommen ist", kann es Thomas Jäger erst gar nicht fassen. "Im Slalom hat er immer beim zweiten Lauf ein Tor versemmelt." Und damit wird man sofort disqualifiziert. Es sei schon eine ganz harte Schule, aber eben auch wichtig.
"Das ist schon Dramatik pur", läuft Thomas Jäger noch jetzt die Gänsehaut auf, wenn er an das Rennen denkt. Maximilian war hochkonzentriert, das merkte sein Vater auch, als die beiden nach dem ersten Wettkampf mit dem Lift hinauf zum Slalom-Startpunkt fuhren. Wie prägt man sich denn solch eine Strecke ein, fragte er seinen Sohn. "Papa, sei ruhig. Das kostet mich unheimlich Kraft", erklärte Maximilian, und die brauche er für das Rennen.
Sehr zeitig raus aus den Federn
Die Kinder und Jugendlichen gehen bei der Streckenbesichtigung mit ihren Trainern die abgesteckte Slalom-Piste komplett durch, erfahren, worauf sie achten müssen. Und dies alles müssen sie sich dann genau einprägen, eine zweite Besichtigung gibt es nicht.
Sehr zeitig aufstehen war während dieser Veranstaltung in Bischofswiesen angesagt. Um halb sechs in der Früh hieß es, raus aus den Federn. Für das Frühstück war eine Viertelstunde anberaumt. "Da hat keiner rumgemeckert", lächelt Thomas Jäger. Vielmehr waren die Kinder und Jugendlichen ganz eifrig dabei, vom Ehrgeiz gepackt, sollte es so schnell wie möglich wieder auf die Piste gehen.
"Wir haben vorher nicht über das Rennen gesprochen", ist es Thomas Jäger wichtig, vorab keinen Stress aufzubauen. Aber er stand immer parat, wenn sein Sohn eine Frage hatte - er war "einfach" nur da...
"Beide Läufe waren identisch gut", antwortet Trainer Karl Lotz auf die Frage von Thomas Jäger, wie er die Läufe von Maximilian sehe. Der querschnittsgelähmte Karl Lotz, Landestrainer Ski Alpin im Behinderten- und Rehabilitations-Sportverein Bayern (BVS), ist Paralympics-Medaillengewinner und Moniski-Weltmeister. "Er geht unheimlich gut auf die Kinder ein, egal welchen Alters", ist Thomas Jäger voll des Lobes. "Er ist ein Phänomen", beschreibt der Vater von Maximilian, wie Karl Lotz anhand von Videos und Fotos analysiert hat, wie die Teilnehmer gelaufen sind.
Diese erste kombinierte Skiwettkampf- und Trainingsveranstaltung für Kinder und Jugendliche mit Handicap fand am Götschen in Bischofswiesen statt. Veranstalter waren der BVS und die DBSJ (Deutsche Behinderten-Sportjugend). Zum Cup gehörte auch die Bayerische Meisterschaft.
Zwölf Kinder und Jugendliche mit den verschiedensten körperlichen Behinderungen waren bei diesem dreitägigen Trainingscamp, bei dem täglich der Youngster Cup ausgefahren wurde, mit von der Partie. Vom Bayerischen Landeskader waren fünf Kinder nominiert. Jeweils drei Läufe waren jeden Tag zu absolvieren, die beiden besten Zeiten kamen in die Wertung. Und am vierten Tag stand die Bayerische Meisterschaft an.
Landestrainer sehr zufrieden
Landestrainer Karl Lotz war sehr zufrieden mit der Veranstaltung. „Im Besonderen fielen die Trainingsfreude sowie die faire und zugleich stark motivierte Einstellung der jungen Sportler auf. Trotz Beginns der Wertungsläufe um sieben Uhr morgens und teils widrigsten Wetterverhältnissen war die Stimmung bei den fünf- bis 13-jährigen Teilnehmern hervorragend."
"Maximilian hat sich sehr gut gefühlt bei der Siegerehrung", freut sich Vater Thomas mit dem Jungen. Allein eine Medaille zu erhalten, das war für den Jungen das Größte. "Er hat sich wahnsinnig gefreut, danach ist das aber auch abgehakt. Er ist wohl ein stiller Genießer."
Die Behinderung von Maximilian kann man nicht wegdiskutieren, hat auch Landestrainer Karl Lotz gesagt und gleichzeitig betont, "für das, was er hat, ist er sehr gut". Viele Trainings und Lehrgänge hat der heute Zwölfjährige bereits absolviert, seine Eltern stehen ihm immer zur Seite. "Das war die entscheidende Woche", blickt Thomas Jäger auf die jüngste Veranstaltung am Götschen in Bischofswiesen zurück, diese Erfolge waren das Sahnehäubchen obendrauf.
Extrem gut gefühlt
Ende des Monats fährt Maximilian auf einen Lehrgang der U 15 des Deutschen Paralympic Skiteams. Norman Möller vom Skiclub Gersfeld, er ist früher selbst aktiv gefahren, wird den Jungen begleiten. Die Renngemeinschaft Gersfeld-Fulda bilden der Skiclub Gersfeld und der Skiclub Fulda gemeinsam.
"Er hat sich extrem gut gefühlt", beschreibt Thomas Jäger die Situation in den letzten Wochen. Grund sei sicher die Zusage des Internats in München, wo Maximilian ab dem neuen Schuljahr antreten wird. "Es war für ihn das Allerwichtigste, zu wissen, er kommt für sich an." Viel selbstbewusster ist er geworden, "eine Persönlichkeit reift heran. Und er weiß, er wird ganz klar ernst genommen."
Zwölf Jahre alt ist Maximilian am 3. Januar geworden, just an seinem Geburtstag machte er sich mit seinem Vater auf zu dieser kombinierten Skiwettkampf- und Trainingsveranstaltung. Mama Barbara hatte noch Kuchen und Muffins gebacken, die mit auf die Reise gingen. So hat Maximilian seinen Geburtstag in den Bergen genossen.
Am Sonntagabend kamen die beiden zurück. Neben Mama Barbara und den beiden Schwestern warteten auch die Eltern von Thomas Jäger auf sie. "Das war ein ganz bewegender Moment." Und Thomas Jäger ist sehr froh, dass sein Vater einspringt und Maximilian zu den Trainings bzw. Lehrgängen fährt, wenn er selbst beruflich stark eingebunden ist. "Meine Eltern und meine Schwiegereltern haben einen großen Anteil", ist Thomas Jäger dankbar für die Unterstützung in all den Jahren. "Da sieht man, wie wichtig Familie ist."
"Wir haben mit der Geburt von Maximilian einen Rucksack aufbekommen, der war verdammt schwer", lässt Thomas Jäger die Jahre Revue passieren. Und der Rucksack wird leichter, Stück für Stück. Denn so vieles, was das Paar und die ganze Familie dem Jungen bislang mitgegeben haben und noch mitgeben werden, dieses Rüstzeug für sein Leben, das lässt den Rucksack schrumpfen – und hat Maximilian stark gemacht.





























