Bad Brückenau
„Kunden kehren zu deutschem Wasser zurück"
Der Vorstand der Staatlichen Mineralbrunnen AG, Ingo Vialon, spricht über Trinktrends.
Wenn die Temperaturen in diesen Tagen über die 30-Grad-Marke klettern, erklimmen auch die Verkaufszahlen von Mineralwasser und gesunden Erfrischungsgetränken Rekordhöhen. Wir sprachen mit Ingo Vialon, Vorstand der Staatlichen Mineralbrunnen AG in Bad Brückenau, über Trends in der Getränkebranche sowie sein mittelständisches Traditionsunternehmen.
Herr Vialon, was trinken Sie persönlich am liebsten?
Ingo Vialon: Ich bin ein großer Fan unserer hauseigenen Apfelschorle. Auch schmeckt mir das Bad Brückenauer Mineralwasser hervorragend, weil es geschmacklich sehr ausgewogen ist.
Wer trinkt eigentlich Mineralwasser?
Vialon: Mineralwasser wird von allen Altersgruppen geschätzt. Wir beobachten: Die jüngere Generation bevorzugt Mineralwasser mit wenig Kohlensäure. Ältere Menschen trinken eher spritzig. Das ist gelebte Tradition: Früher gab es nicht so viel Auswahl – da hat fast jeder spritzig gekauft.
Was ist insgesamt beliebter: Spritziges oder stilles Wasser?
Vialon: Mineralwasser spritzig und medium halten sich inzwischen fast die Waage. Noch ist deutschlandweit Mineralwasser mit viel Kohlesäure am beliebtesten, die Zahlen sind aber rückläufig. Spannend ist: Bayern ist das einzige Bundesland, in dem mehr medium als spritzig getrunken wird.
Wie groß ist das Einzugsgebiet der Staatlichen Mineralbrunnen AG?
Vialon: Unser Kernabsatzgebiet umfasst einen Umkreis von rund 250 Kilometern. Wir merken: Durch Umweltskandale und Globalisierung bevorzugen viele Kunden inzwischen Produkte aus der Region. So lässt sich auch die steigende Nachfrage an Wasser naturell erklären: Früher kauften diese Kunden vor allem Produkte aus Frankreich, jetzt kehren sie zu deutschem Wasser zurück.
Gehen Sie gezielt auf Kundenwünsche ein?
Vialon: Ja sicher. Gelegentlich erhalten wir direkt Anrufe oder Emails von Kunden mit Tipps und Anregungen. Resonanz erhalten wir auch über Verkostungsrunden, zudem natürlich über unsere Außendienstler und die eigenen Mitarbeiter im Betrieb.
Welche allgemeinen Trends sind in der Getränkebranche noch zu beobachten? Vialon: Der Trend geht klar weg vom Zucker. Die Anforderung ist hoch: Kunden wollen sich gesünder und kalorienarm ernähren, aber wollen trotzdem nicht aufs Geschmackserlebnis verzichten. Ein Produkt, das genau in diesen Trend passt, ist unsere Johannisbeerschorle ohne Zuckerzusatz.
Trinken die Deutschen mehr oder weniger Wasser als früher?
Vialon: Vor etwa drei Jahren ist der Pro-Kopf-Verbrauch gestiegen, seitdem ist die Zahl stabil auf hohem Niveau. Das Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung hat sich verändert, sie ist viel aufgeklärter als früher. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt übrigens schon seit Jahren, mindestens zwei Liter am Tag zu trinken.
Unabhängig vom Geschmack: Warum ist Mineralwasser besser als Leitungswasser? Vialon: Mineralwasser hat durch die Mineral- und Tafelwasserverordnung die schärfsten Qualitätsauflagen innerhalb der Getränkebranche. Leitungswasser hat ebenfalls eine gute Trinkwasser-Qualität. Fast alle Verbraucher nutzen Leitungswasser schließlich für Kaffee oder Tee. Allerdings wird Leitungswasser natürlich nicht im Haus, sondern beim Wasserwerk untersucht. Verunreinigungen durch Blei- oder Kupferleitungen sind also nicht auszuschließen. Kurzum: Wenn ich Mineralwasser trinke, ist die Sicherheit schlichtweg höher, als wenn ich den Hahn aufdrehe.
Wie unterscheidet sich Bad Brückenauer vom Discount-Produkt?
Vialon: Im Vergleich zum Discounter verfolgen wir einen höheren, selbst auferlegten Qualitätsstandard. So reinigen wir unsere Maschinen deutlich häufiger als vorgeschrieben – und zwar nach jeder Abfüllung, aber mindestens einmal am Tag. Auch verwenden wir bessere Materialien, das sieht der Verbraucher an den Flaschen. Die Einwegflaschen der Discounter fühlen sich „wabbelig" an. Das liegt am niedrigen PET-Anteil. Hintergrund: Der PET-Preis hängt eins zu eins vom Rohölpreis ab. Bei Discountprodukten geht es aber vor allem darum, billig zu sein.
Wirkt sich ein niedriger oder hoher PET-Anteil auch aufs Produkt aus?
Vialon: Ja, sicher. Je weniger PET, desto schneller kann auf der einen Seite Kohlensäure aus der Flasche entweichen und auf der anderen Seite Sauerstoff eindringen. Je mehr PET, desto hochwertiger das Wasser.
Bad Brückenauer gibt es bislang nur in Mehrwegflaschen. Schließen Sie Einwegprodukte aus?
Vialon: Nein, für uns ist entscheidend, was unsere Kunden wollen. Sollte die Nachfrage nach Einwegprodukten steigen, würden wir darauf reagieren. Schließlich gibt es Situationen, in denen es Sinn macht, eine Flasche vor Ort wegwerfen zu können – Beispiel Flughafen. Was wir aber ausschließen, ist ein Einstieg in die Hardcore-Preiseinstiegsschiene.
Welche Besonderheiten haben Sie im Sortiment?
Vialon: Neben unseren Erfrischungsgetränken und den klassischen Mineralwassern haben wir zwei Heilwässer. Zwar geht die Nachfrage nach Heilwasser generell zurück – bei uns indes ist sie etwas angestiegen. Das Besondere ist: Heilwasser ist ein Arzneimittel, das heißt: Um überhaupt eine Zulassung zu bekommen, wird der Prozess von einem unabhängigen Apotheker begleitet. Das Staatliche Bad Brückenauer Heilwasser empfiehlt sich durch seine wohltuende Wirkung auf Magen, Darm, Nieren, Blase und das vegetative Nervensystem ganz besonders für Frühjahrs- und Herbstkuren. Auch wirkt es schleimlösend und kann bei Stoffwechselstörungen helfen. Das Wernazer Wasser hilft bei Erkrankungen der ableitenden Harnwege.
Im Frühjahr gab es Marmelade, im Frühsommer Fahrräder. Welche Aktionen haben Sie heuer zusammen mit Ihren Kunden noch geplant?
Vialon: Im August und September gibt es als Kastenbeilage Schlampermäppchen, passend zum Schulanfang. In Oktober und November wollen wir uns bei unseren Stammkunden mit einem Multifunktionstuch für ihre Treue bedanken – und dem ein oder anderen unentschlossenen Kunden vielleicht einen kleinen Impuls geben.
Deutschland und das Wasser in Zahlen:
In Deutschland gibt es 203 Brunnenbetriebe der deutschen Mineralwasserwirtschaft. Diese verkauften insgesamt 13,2 Milliarden Liter alkoholfreie Getränke. Der Pro-Kopf-Verbrauch an alkoholfreien Getränken betrug insgesamt rund 290 Liter. Davon entfielen knapp 130 Liter auf Mineral- und Heilwasser, sechs Liter auf Quell- und Tafelwässer, 120 Liter auf Erfrischungsgetränke und 36 Liter auf Fruchtsaft und –nektar.


















