Grenzen, Linien, Emotionen
Der Bad Kissinger Maler Alexander Ruppert blickt hinter die Fassade
Intensive, plakative Farben. Klare Linien, Zahlen, Zeitungsausschnitte. Abstrakte Formen. Ein Kissen, übermalt und mit Fäden festgezurrt. Dann wieder ein Kreuz, ein Stuhl und ein Tuch, verbunden mit einer Kette. Beim Betreten des Ateliers von Alexander Ruppert fesseln unterschiedlichste Nuancen das Auge des Betrachters. Im Gegensatz zu seinen Bildern wirkt der Maler eher zurückhaltend. Ein warmer Händedruck, die Stimme ruhig, die Gesten unaufdringlich. Seine Gesichtszüge drücken Sanftheit und ein bisschen Melancholie aus. Doch genau dieser Kontrast macht den Maler Alexander Ruppert aus.
Seine Sensibilität, seine ausgezeichnete Beobachtungsgabe und ein feines Gespür für die Schwingungen seiner Umgebung sind die Grundlagen seines Schaffens. Statt jedoch seine eigene Meinung aufzwingen zu wollen, enthüllt er die Fassade und seziert das, was darunter liegt, ohne es zu bewerten. Und lässt dem Betrachter dadurch Freiraum, sich seine eigene Meinung zu bilden. „Wenn ein Mensch im Alltag etwas ändern kann, sollte er das tun – aber man muss auch akzeptieren, dass man eben nicht alles ändern kann. Genau so sehe ich das bei meinen Bildern“, macht der Maler deutlich.
Moderne Menschen
Ein Beispiel ist die Serie „modern people“, bestehend aus mehreren Dutzend Exponaten, die sich zum Teil bereits im Besitz privater Sammler befinden. „modern people“, also moderne Menschen – auf den ersten Blick erscheinen sie uniform. Oberflächlichkeit in der Wahrnehmung lässt beispielsweise eine Menschenmenge verschwimmen. Die Personen verschmelzen zu einer gesichtslosen Einheit. Das menschliche Individuum wird erst wieder erkennbar, wenn sich der Betrachter Zeit nimmt, seinen Blick auf Einzelheiten ruhen lässt.
Auch die Personen auf den Bildern von Alexander Ruppert unterscheiden sich bei genauem Hinsehen in ihren Details und lösen sich dadurch wieder aus der Masse, bekommen ein Gesicht. Eine Kritik an der Oberflächlichkeit unserer Zeit, ein leiser Hinweis darauf, wieder tiefer zu blicken – aber eben nur ein Hinweis. Kein Vorwurf, keine Verpflichtung.
Die Welt, wie sie ist
„Mein Bedürfnis ist es, die Welt darzustellen, wie sie ist, und nicht, wie ich sie mir erträume“, macht der 34-Jährige deutlich. Die Überlagerung zahlreicher Eindrücke, die täglich erlebten Grenzen und Emotionen im menschlichen Miteinander verarbeitet Alexander Ruppert in mehrschichtigen Gemälden – im wörtlichen Sinne: manchmal liegen 30 bis 40 Schichten Farbe übereinander. Dinge des täglichen Lebens, aber auch Fotos und Zeitungsausschnitte arbeitet er in seine Bilder ein. Zeitungen stellen für ihn DAS Mittel der täglichen Kommunikation dar. Er verwendet sie, ebenso wie Zahlen, als wiederkehrende Stilelemente und Ausdruck dessen, was uns täglich umgibt, unser Leben bestimmt.
Den täglichen Overflow an Eindrücken, die Ablenkung und damit Abwendung vom Wesentlichen hat er in der Collage „eva goes shopping“ versinnbildlicht. Mehrere Wochen hat er an dem Werk über den Verlust von Sensibilität und Tiefe gearbeitet. Auch hier wieder mehrere Schichten Acrylfarbe, aufgetragen mit Pinseln unterschiedlichster Größe. Das Portrait einer Frau, aus dem Bild heraus blickend, die Sonnenbrille verdeckt die Augen.
Hinter ihr, ganz zart, beinahe verborgen, das Portrait eines sensiblen Männergesichts, von dem sie sich abzuwenden scheint. Das eingearbeitete Stück einer Einkaufstasche, Zahlen und plakative Werbung macht die Beschäftigung deutlich, immer wieder finden sich Zeitungsausschnitte. Doch die Kommunikation kommt hier zum Erliegen, die Reizüberflutung lässt die Wahrnehmung verschwimmen. Das Leben beschränkt sich auf Oberflächlichkeit.
Die Wurzeln seines Künstlerlebens
„Die gestaltete Welt hat mich, seit ich denken kann, angezogen“, erklärt Alexander Ruppert seine Beziehung zur Kunst. Er erinnert sich an den Besuch in einem Picasso-Museum als ein prägendes Erlebnis im Grundschulalter. Die farbenfrohen, abstrakten Werke begeisterten das Kind, das damals bereits selbst gern malte. Diese Begeisterungsfähigkeit hat er sich erhalten, sie hat sein Leben nachhaltig geprägt. Er bezeichnet seinen Beruf als seine Berufung, und es ist spürbar, dass er diesen Satz nicht als Floskel gebraucht, sondern sehr ernst meint.
Das Studium zum Media-Designer mit den Schwerpunkten Malerei/Bildende Künste, Photographie und Grafik schloss der Künstler im Jahr 1999 mit Auszeichnung ab. Seitdem ist er als freischaffender Künstler der Malerei tätig, er lebt und arbeitet im eigenen Atelier in Bad Kissingen. Seit 2010 ist Alexander Ruppert zudem als Kunstdozent am Bad Kissinger Gymnasium tätig. Auch die örtliche Kunstszene unterstützt er aktiv, war beispielsweise Intendant des Projektes OPEN ART KG der ARGE Bildende Kunst, einem spannenden Zusammenschluss namhafter Bad Kissinger Künstler.
Schönmalerei liegt ihm nicht
Alexander Rupperts Inspirationen kommen von außen, aus dem Alltag und seinem täglichen Umfeld. Von zwischenmenschlichen Begegnungen, Gefühlen, Musik, aber beispielsweise auch von den Nachrichten lässt sich der Maler zu neuen Kunstwerken anregen. Oft verbirgt sich Sozialkritik hinter den Exponaten, denn Alexander Ruppert will bewegen und provozieren - Schönmalerei liegt ihm nicht. Lieber ist er unbequem, rüttelt den Betrachter in seiner Gefühlswelt auf.
„Ich prostituiere mich nicht“, verdeutlicht er und meint damit, dass er die Welt nur dann rosarot malt, wenn sie für ihn auch rosarot ist – und nicht nur deshalb, weil es gerade ins Konzept passt oder es ihm von seiner Umgebung vorgeschrieben wird. Aus diesem Grund misst er Farben auch nicht die Bedeutung bei, die ihnen üblicherweise zugeschrieben wird. Schwarz ist beispielsweise für ihn keine Farbe der Trauer, sondern ein Medium, um etwas hervorzuheben oder herauszuarbeiten.
Natürlich gebe es auch mal leere Phasen, in denen ihn nichts inspiriert, erklärt der Maler. Das lässt er dann bewusst zu, beschäftigt sich mit anderen Dingen, lässt das Leben wieder auf ihn wirken. Irgendwann kommt der kreative Schub von ganz allein, auch wenn es mehrere Wochen dauern kann. Sich nicht unter Druck setzen, fließen lassen, das ist für den Künstler die Basis, um sich frei in seiner Kunst bewegen zu können – und dies auch dem Betrachter zu erlauben, ihn zur Kommunikation herauszufordern.
Alexander Ruppert: www.atelier-ruppert.de










































