Kreuzberg
Die Herzen öffnen und Gott einlassen
Eine besinnliche und zugleich bodenständige Einstimmung auf die kommenden Festtage erlebten die Besucher bei der beliebten Rhöner Weihnacht in der Klosterkirche.
Schon lange vor Konzertbeginn war die Kirche voll besetzt. Die Sitzplätze reichten bei weitem nicht aus, bis ganz nach vorne drängten sich die Zuhörer in den Gängen, um ein Stückchen Rhöner Weihnacht zu erhaschen.
An dem über zweistündigen Programm beteiligten sich in diesem Jahr die Waldberger Wirtshaussänger, die Hassenbacher Stubenmusik, die Alphornbläser der Schwarzen Berge, Sascha Thoma mit der Steirischen Harmonika, Schuberts Stubenmusik aus Geroda, die Hoibüche Muisig aus Langenleiten und Eddi Arnold (Waldberg) mit den den Rhöner Blechbläsern aus Premich.
Der Guardian des Klosters Kreuzberg, Pater Martin, übernahm die Begrüßung. "Die Natur spielt mit und hat sich für die Rhöner Weihnacht in eine wunderbare Winterlandschaft verwandelt, zumindest am Kreuzberg." Er freue sich sehr, den Musikern und Sängern aus der Region rund um den Kreuzberg zuhören zu dürfen. Die Rhöner Weihnacht möchte auf Weihnachten einstimmen, so wie es die wunderbare winterliche Landschaft auf dem Kreuzberg und die Krippe in der Klosterkirche schon tun. Die Krippe vor Weihnachten schon aufstellen? Doch die Krippe in der Klosterkirche zeige die Herbergssuche mit dem Wirt, der schon auf den Stall weise. Im Hintergrund der Kreuzberg und das Franziskanerkloster.
Mit der Krippe und mit der Rhöner Weihnacht werde versucht, das Geschehen von Bethlehem in die Herzen der Menschen zu verpflanzen. Denn Weihnachten sei es dann, wenn Christus in den Herzen der Menschen geboren werde. Der Advent sei als die besondere Zeit der Herbergssuche Gottes bei den Menschen zu sehen. So ermutigte Pater Martin die Zuhörer, ihre Herzen zu öffnen und Gott einzulassen, ihm Herberge zu geben.
Die Rhöner Weihnacht kam ganz ohne Moderation aus. Zwischen den musikalischen Beiträgen trug Eddi Arnold seine Weihnachtsgeschichte in Rhöner Dialekt vor. Er verlagerte das Geschehen in die Rhön, nach Waldberg, in die Zeit um 1909. Die Geschichtsabschnitte und die musikalischen Beiträge waren aufeinander abgestimmt. Es begann mit dem winterlichen Leben in der Rhön, das zum Beispiel mit dem Stück "Rauhe Winter, karger Lohn" von den Rhöner Blechbläsern oder dem "Rhöner Wintermorgen" von Schuberts Stubenmusik wiedergeben wurde. Die Verkündigung besangen der Walderberger Wirtshaussänger mit dem Lied "Der Engel des Herrn" und Josefs Traum nahm sich Sascha Thoma mit seiner Steirischen Harmonika an. Die Herbergssuche wurde mit dem "Waldecho" der Gerodaer Alphornbläser untermalt. Und dann ist das Wunder geschehen, das Kind wurde geboren und die Hassenbacher Stubenmusik wusste eine Hirtenweise zu spielen, bevor die Hoibüche Muisig die "Sterne der Heiligen Nacht" sang.
Natürlich gab es noch viel mehr Musikstücke, die in diese Geschichtsabschnitte passten. Eddi Arnolds Rhöner Weihnachtsgeschichte ist mittlerweile vielen Besuchern der Rhöner Weihnacht gut bekannt und dennoch hören sie immer wieder gerne, wie er das Geschehen mit viel Einfühlungsvermögen erzählt. Die Geschichte beginnt mit dem Leben der Menschen der Rhön. Karg lebten die Menschen damals in der Rhön, betrieben ein bisschen Landwirtschaft, es gab keine Wasserleitung und kein elektrisches Licht. Die Leute hatten wenig, Reichtümer waren keine vorhanden. Des Morgens waren in der Winterzeit die Fensterscheiben bis oben mit Eisblumen bedeckt. In der Spinnstube wurde gesungen, Geschichten erzählt und einfache Plätzchen wurden gebacken.
Maria und Josef waren Waldberger, doch stammten sie aus zwei unterschiedlichen Sippen, die in der Regel für sich blieben und keinesfalls untereinander heirateten. Nun verliebten sich die zwei und das Gerede im Ort war groß. Vor allem als Maria schwanger ging, da wurde ihr übel mitgespielt. Doch sie vertraute dem Engel des Herrn, der ihr verkündet hatte, dass sie Gottes Sohn gebären werde. Und auch der Josef, ein einfacher Zimmermannsgesell, zeigte Glauben und vertraute den Worten des Engels. Doch das gefiel der Dorfbevölkerung nicht, sie schwärzten Maria und Josef beim Amt in Bad Kissingen an und Josef erhielt eine amtliche Vorladung.
Mitten im Winter machte er sich mit der hochschwangeren Maria zu Fuß auf den Weg nach Bad Kissingen. Schneetreiben und Wind machten den Weg beschwerlich. Als sie am Nachmittag in der mondänen Kurstadt ankamen, war das Amt geschlossen. Die Menschen in Pelze gehüllt, die hell erleuchteten Hotels, der internationale Flair, das alles war den beiden einfachen Menschen fremd.
Als bei Maria die Wehen einsetzten, fanden sie in keiner der noblen Herbergen eine Unterkunft, sie zogen hinaus aufs Land und kamen in einem Stall, bei Ochs, Esel und einigen Schafen unter. Hier ereignete sich dann das Wunder der Christgeburt. Eingebettet in eine Zeit vor 100 Jahren, in die Rhöner Umgebung hatte Eddi Arnold die uralte Geschichte und den Zauber der Weihnacht. Die Worte, der doch schlichten Handlung gingen zu Herzen und so war es zum Ende der Rhöner Weihnacht selbstverständlich, dass alle Akteure und Zuschauer gemeinsam "Oh freudenreicher Tag" sangen.
Der Erlös der diesjährigen Rhöner Weihnacht betrug 1.927 Euro. Veranstalter Eddi Arnold war mit diesem Ergebnis sehr zufrieden. Der Betrag kommt der Elterninitiative "Hilfe für krebskranke Kinder" zu Gute.






























