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In der Fertigung. Foto: Hanse Haus

 

Oberleichtersbach

Beim Hausbau ist Individualität gefragt

Rund 100 Fachkräfte produzieren in ein bis zwei Tagen die Elemente für ein Fertighaus – weitere zwei Tage später ist das Gebäude bereits regendicht.

Da werden Dachgauben gezimmert und Wandelemente gedämmt, Bohrungen für Schalter und Steckdosen gefräst sowie Wände verputzt. Eines ist schnell klar bei einer Besichtigung der Hanse-Haus-Werkshallen: In einem Fertighaus steckt viel Handarbeit. Denn das Unternehmen in Oberleichtersbach fertigt ganz individuelle Häuser in Holzbauweise, Bauherren haben viel Freiheit bei der Gestaltung ihres Traumhauses. Für Hanse Haus bedeutet das: Jedes produzierte Haus ist anders. Moderne Maschinen unterstützen die Arbeitsabläufe zwar, doch das Wissen und das handwerkliche Können der rund 100 Fachkräfte in den Werkshallen sind nicht zu ersetzen.

Jede Menge Vorteile
"Fertighäuser sind heute genauso individuell planbar wie konventionell gebaute Häuser", erklärt Annette Müller, Leitung Architektur bei Hanse Haus am Standort Oberleichtersbach. Jede Menge Vorteile gegenüber dem konventionellen Massivbau indes liegen für Annette Müller auf der Hand: eine kurze Bauzeit, keine langen Austrocknungszeiten und die hervorragenden Energiespareigenschaften des Werkstoffs Holz. Bei Hanse Haus sei die Dämmqualität um 45 Prozent besser als gesetzlich in der Energieeinsparverordnung vorgeschrieben.

Alle Leistungen aus einer Hand
Durch die Vorfertigung der einzelnen Hauselemente unter optimalen klimatischen Bedingungen in den Werkshallen kann das Unternehmen eine konstant hohe, güteüberwachte Qualität liefern. Ein weiterer Vorteil laut der Architektin: Beim Fertighaus stammen sämtliche Leistungen aus einer Hand, der Haushersteller stehe für alle Leistungen gerade und überwache die komplette Bauausführung. Ein wesentlicher Aspekt pro Fertighaus ist für Architektin Müller zudem: Preis und Einzugstermin stehen von Anfang an fest. Aktuell liegt der Fertigbauanteil in Deutschland bei etwa 15 Prozent, Tendenz steigend.

Wie entsteht ein Fertighaus?
Zu Beginn wird ausgiebig geplant: Architekten erfragen Kundenwüsche und nehmen mit Blick aufs Grundstück eine Bedarfsanalyse vor. Festgelegt wird dabei auch die Ausbaustufe - der Kunde entscheidet, ob er Eigenleistung erbringen und Kosten sparen will, oder aber das Haus schlüsselfertig übergeben bekommt. Wie lange die Planung dauert, hängt laut Annette Müller ganz individuell vom Kunden und vom Projekt ab. Sie betont aber: Die Vorplanung und eine entsprechend gute Beratung seien beim Hausbau letztlich das Wichtigste – hierfür sollte man sich ausreichend Zeit nehmen. Dabei gehe es auch um Aspekte, an die ein Bauherr im ersten Moment vielleicht nicht denkt, etwa die optimale Ausrichtung des Hauses auf dem Grundstück. Hanse Haus unterstützt die Häuslebauer auf Wunsch zudem bei der Finanzplanung.

Alles unter einem Dach
Steht die Planung und ist der Bauantrag genehmigt, geht’s an die Werksplanung. "Jeder, der bei uns ein Haus kauft, verbringt rund zwei Tage hier in Oberleichtersbach im Bauherrenzentrum", erzählt die Architektin. Auf einer Fläche von über 1800 Quadratmetern finden Bauherren alles unter einem Dach, was zu einem Haus gehört: Tapeten, Fliesen, Badeinrichtungen, Bodenbeläge oder auch Treppen - bis hin zu innovativen Energiespar- und Umwelttechniksystemen.

Der Duft von frischem Holz
Welches Material bei Hanse Haus die zentrale Rolle spielt, ist klar, noch ehe man die Werkshallen betritt – schon im Eingangsbereich duftet es nach natürlich-frischem Holz. In der fast 14.000 Quadratmeter großen Werkshalle im Gewerbegebiet Buchrasen entstehen pro Jahr rund 300 Fertighäuser – am Tag ein bis zwei. Gleich im Eingangsbereich liegen hohe Stapel vorgefertigter Einzelteile aus Holz in unterschiedlicher Größe. Aus diesen Elementen entstehen Wände: Computergesteuert werden sie nach digitalem Bauplan herausgefahren und dann zu bis zu zehn Meter langen Wänden per Hand zusammengebaut, abgedichtet und gedämmt.

Präzise und vollautomatisch
In einer weiteren Station werden bereits im Werk die Löcher für Steckdosen und Lichtschalter gefräst und die Vorinstallation für die Sanitärobjekte montiert. Auch Fenster, Türen, Außenfensterbänke und Rollos werden gleich in den Werkshallen montiert. Im letzen Schritt werden die Wände mit einem Armierungsputz versehen – auf der Baustelle kann später der sichtbare Edelputz fugenlos aufgetragen werden. Die Dach- und Deckenelemente entstehen auf einer computergesteuerten Multifunktionsbrücke, die vielfältige Arbeitsschritte präzise und vollautomatisch erledigt. In diese High-Tech-Maschine investierte Hanse Haus 2010 rund 800.000 Euro.

Große logistische Herausforderung
"Die logistische Herausforderung bei uns ist groß, vor allem, weil wir so gut wie keine Lagerfläche für die fertigen Häuser haben", erzählt Annette Müller. Nach ein bis zwei Tagen verlassen die vorgefertigten Hauswände die Werkshallen – Kran und Montagekolonne müssen jetzt bereit stehen. Rund vier Lastwagen sind nötig, um ein Satteldachhaus zur Baustelle zu transportieren. Ebenso rasch wie die Vorproduktion geht dort dann der eigentliche Aufbau über die Bühne: Nach nur zwei Tagen ist laut Architektin Müller ein Haus bis zu einer Größe von etwa 160 Quadratmetern regendicht, schon am dritten Tag kann der Innenausbau starten. Übernimmt ein Bauherr das Haus schlüsselfertig, rechnet Hanse Haus im Schnitt mit einer Innenausbaudauer von sechs Wochen.

Kundenwünsche gewaltig verändert
Dabei haben sich die Kundenwünsche laut Annette Müller im Vergleich zu früher gewaltig verändert: Auch Räume wie das Bad sollen heute Wohnraumcharakter haben, eine barrierefreie Dusche ist nahezu Standard. Viele Familien planen zudem ein eigenes Kinderbad und achten im Haus bewusst auf viel Stauraum. Einen Ankleideraum wünschen sich mittlerweile fast alle Bauherren. Grundrisse sind insgesamt offener geworden, Räume sollen nicht zu klein, aber auch nicht riesig sein. Trotzdem hat für Architektin Müller eine Sache oberste Priorität: Wichtig ist, dass sich die Bewohner im Eigenheim später wohl fühlen – und das mache letztlich nur eine individuelle Planung möglich, die aus Kundenwünschen das Optimale herausholt.

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Michaela Schneider

    In der Fertigung. Foto: Hanse Haus

     

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