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Lutz Freiherr von Thüngen. Foto: mar

 

Weißenbach

Auf Manieren legt er großen Wert

Die Sprache, die Geschichte und die Jagd - das sind die Passionen von Lutz Freiherr von Thüngen in seiner Freizeit. Und er interessiert sich für die Malerei.

Gabriele Freifrau von Thüngen - aus dem Leben einer großartigen Frau, darüber haben wir in drei Teilen berichtet. Sie lebt im Schloss Weißenbach mit der Familie ihres ältesten Sohnes, Lutz Freiherr von Thüngen. Er erblickte 1949 in Weißenbach das Licht dieser Welt. Er besuchte die Volksschule in Weißenbach. Dort wurden alle Klassen gemeinsam unterrichtet. "Das war sehr schön. Da konnte ich immer zuhören, was der Lehrer den Großen erzählt."

Schmunzelnd erinnert er sich an seinen "Ausflug" in die katholische Kirche. Der evangelische Pfarrer Baier hatte in seinem Unterricht immer wieder die katholischen Gottesdienste "aufs Korn genommen" und das wollte der Schüler dann doch selbst mal erleben. Und dann wurde im Dorf erzählt, "der kleine Baron wird katholisch".

Bruder Hanskarl und er besuchten das Gymnasium in Bad Brückenau, doch dort wurden die Schüler seinerzeit nicht bis zum Abitur geführt. Deshalb ging es nach Schondorf am Ammersee ins Internat, wo Lutz Freiherr von Thüngen 1970 das Abitur ablegte. "In der Schule habe ich mich besonders für Geschichte und Kunst interessiert", blickt er zurück. Und das ist noch heute so. Auch Deutsch hat ihn sehr interessiert, "Sport war mir ein Gräuel".

Die Bundeswehr schloss sich an, Lutz Freiherr von Thüngen war bei den Panzeraufklärern in Lüneburg, erlebte dort zwei Jahre Ausbildung bis zum Reserveoffizier. "Ich habe dort viel gelernt", ist er heute noch dankbar. "Dass man deutlich und laut redet, wenn man etwas durchsetzen will", das alles hat ihn sehr interessiert.

Lutz Freiherr von Thüngen studierte in München, zunächst Forstwirtschaft, "das war aber nicht so das Rechte für mich". Also begann er ein Jura-Studium. Das 1. Staatsexamen bestand er nicht, er ging zurück nach Weißenbach in den Betrieb seines Vaters. Hier war er zunächst als Betriebsassistent tätig, lernte bei Forstdirektor Hans Wild alles, was für den Beruf notwendig war.

Als Hans Wild 1986 den Ruhestand antrat, hat Lutz Freiherr von Thüngen alle Aufgaben übernommen. Er ist Forstmeister mit Leib und Seele. Bei aller Arbeit, Lutz Freiherr von Thüngen nimmt sich auch Zeit für seine Hobbies. "Meine Hauptpassion ist die Sprache." Die Herkunft der Wörter, das interessiert ihn sehr. So hat er auch ein ethymologisches Fachbuch, ein Namenbuch, veröffentlicht. Speziell mit den deutschstämmigen Vornamen hat er sich beschäftigt, das Ganze spielerisch aufgearbeitet. Auf 1360 Seiten werden mehr als 15.000 Vornamen aufgelistet und deren Herkunft erläutert.

Die zweite Passion ist die Geschichte. "Das finde ich wahnsinnig spannend." Die Familiengeschichte seiner Ahnen, da kann er sich hinein vertiefen. Bis 1840/50 reichen die Aufzeichnungen seines Urgroßvaters, von da an hat Lutz Freiherr von Thüngen akribisch alles zusammen getragen, was er kriegen konnte. Zirka 100 DIN-A4-Aktenordner füllen inzwischen eine Regalwand. Und hier möchte der Interessierte Stunden zubringen, um sich hineinzulesen in die Historie...

Eine weitere Passion ist die Jagd, die natürlich auch mit seinem Beruf verbunden ist. Fleisch zu ernten, das sei eine Sache, die auch Freude mache. Die praktische Jagdarbeit, die Möglichkeit, Freunde und Nachbarn einzuladen, gemeinsam zu jagen und anschließend zu feiern, davon schwärmt der Baron. Und es bietet sich die Möglichkeit, mal herauszukommen. So hat er Jagdfreunde beispielsweise in Thüringen und in der Uckermark. "Und man lernt neue Menschen kennen." Sein Interesse gilt ferner der Malerei.

Vier Kinder hat Lutz Freiherr von Thüngen. Anna, die Tochter aus erster Ehe, ist 36 Jahre alt. Sie ist wie ihre Mutter Psychologin, lebt und arbeitet in München. Mit Christine, geborene Burggräfin und Gräfin zu Dohna-Schlobitten, schloss er 1990 den Bund fürs Leben. Bei Freunden haben sich die beiden kennen gelernt. Sohn Alfred ist 19 Jahre alt und besucht derzeit ein Internat in Thüringen, Sohn Anhard (17) und Tochter Albertine (14) gehen in Fulda zur Schule.

"Viele glauben, wenn man seinen adligen Namen nennt, dass dann alle Türen offen stehen." Doch dem sei nicht so. Manche Mitmenschen seien auch verschreckt, gehen eher zur Seite, ihnen ist es zu kompliziert, mit Adligen umzugehen. "Ich bin nun mal Freiherr und dann sage ich es auch."

Worauf er großen Wert legt, das sind die Manieren. "Da wird unheimlich rumgeschlampt." Manieren seien dafür da, dass man sich wohl fühlt. Bitte und Danke sagen, die Hand geben, das gehört sich einfach.

Der Zusammenhalt in der Familie, die Traditionen, die Manieren und der Zusammenhalt innerhalb des Adels, das alles zählt Lutz Freiherr von Thüngen auf. Wenn er irgendwo eine schöne Burg sehe, anhalte und klingle, "die meisten freuen sich und lassen mich rein". So verwundert es auch nicht, dass er Vorsitzender des Bayerischen Adelsverbandes ist. Und dieser hat neben der "normalen" Vereinsarbeit ein besonderes Interesse: Verarmte und alte Adelige zu unterstützen. Wer gibt schon gern zu, dass eine Prinzessin soundso kein Brot hat zum Reinbeißen...

Die normale adlige Familie lebt in einer Etagenwohnung in der Stadt, ist angestellt und geht zur Arbeit, weiß Lutz Freiherr von Thüngen. Es gebe immer noch Relikte "wie unser Schloss in Weißenbach". Doch dies alles zu unterhalten, das ist schon eine Aufgabe.

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mar

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