Weißenbach
Ein Rückblick voller Dankbarkeit
Eineinhalb Jahre lebte sie im Schloss in Weißenbach, dann zog sie in das zunächst abgesiedelte Werberg. Als Flüchtling mit landwirtschaftlicher Eignung durfte sie sich melden - und bekam den Hof-Nr. 11, erinnert sich Gabriele Freifrau von Thüngen sehr gut. Lesen Sie heute den dritten und letzten Teil: Aus dem Leben einer großartigen Frau.
Es handelte sich um ein altes Bauernhaus ohne Türen und Fenster. "Der Bautrupp hat sich sehr gekümmert, Herr Fischer hat viel Gutes getan, hat repariert, was gar so kaputt war."
An ihrer Seite war die Schwester ihres späteren Mannes. "Obgleich sie elf Jahre jünger ist, waren wir ganz eng verbunden." Noch heute hält die Baronin engen Kontakt zu Frau von Schuh, sie telefonieren regelmäßig miteinander.
"Es war eine schöne Zeit", erinnert sich Gabriele Freifrau von Thüngen daran, wie die beiden Frauen zusammen den Neustart in Angriff genommen haben. "Man war über alles glücklich, was man hatte." Die große Schüssel beispielsweise, "da haben wir den Salat drin gemacht und dann den kleinen Gotthard gebadet", lacht sie. Aber das war halt so, es gab nicht viel nach dem schrecklichen Krieg.
Es war am 6. August 1945, als sich im Schloss Weißenbach Wolf-Hartmann Freiherr von Thüngen und Gabriele das erste Mal begegneten – im 1. Stock neben der Tür zum 2. Stock. Das hat Sohn Lutz Freiherr von Thüngen in seiner umfassenden, rund 100 DIN-A-Ordner umfassenden Familiengeschichte festgehalten. "Er kam mich öfter in Werberg besuchen und dann haben wir beschlossen zu heiraten."
Am 9. September 1948 läuteten die Hochzeitsglocken, das Paar gab sich das Ja-Wort in der evangelischen Kirche im Staatsbad. Zum Essen ging es dann ins Kurhotel, dem heutigen Dorint Resort & Spa.
Gabriele Freifrau von Thüngen sitzt in ihrem so gemütlichen, großen Zimmer im Schloss in Weißenbach und erzählt aus ihrem Leben. Und genau in dieses Zimmer ist sie damals mit ihrem Wolf-Hartmann gezogen. "Wir hatten unsere Schlafstube hier und haben uns noch eine Badestube eingerichtet, das war damals etwas Besonderes. Seitdem bin ich hier."
Sohn Lutz erblickte das Licht der Welt, es folgten Sohn Hanskarl und Tochter Irina und dann Doris, sie ist im September 2006 verstorben.
Die Baronin erinnert sich auch sehr gern an die Zeit auf dem Hof in Höllrich bei Hammelburg, dort hat sie ein paar Jahre die Arbeiten beaufsichtigt. "Seitdem liebe ich Höllrich und den Wald."
Und was ist aus ihrer Heimat, aus Schloss Eichholz geworden? Hat sie es jemals wieder gesehen? "Es hat ein Pole gekauft und wieder aufgebaut", erzählt die Baronin. "Ich war drei Mal dort und habe es besucht." Sogar das hübsche Sandsteingeländer ist wieder so, wie es einmal war.
"Ich habe 19 liebe Enkelkinder", strahlt die Baronin. Und sie freut sich riesig, wenn sie sie besuchen. Ein Urenkelchen gibt es, "ich bin schon ganz begierig auf ein weiteres."
Arbeit und viel Engagement bestimmten das Leben der Freifrau von Thüngen. Wichtig war und ist ihr auch die Kirche. So hat sie viele Jahre in Detter und Weißenbach den Mädchenkreis geleitet, die Mädchen in der Zeit zwischen Konfirmation und Hochzeit begleitet. Und nach wie vor ist das Frauenfrühstück der evangelischen Kirchengemeinde ein wichtiger Anlaufpunkt für sie, "da gehe ich immer sehr gern hin. Das ist eine schöne Idee."
Gern lädt sie sich auch Gäste zum Kaffee ein. Und sie ist dankbar dafür, "dass ich meine Selbstständigkeit habe".
„Es ist ein Leben, auf das ich sehr gerne zurück blicke. Dass der liebe Gott mich so geführt hat, das ist schön", ist Gabriele Freifrau von Thüngen erfüllt von Dankbarkeit.





















