Wildflecken
"Der Rhönklub war unser Kind"
Jetzt hat sie wieder Zeit, sich im Wildfleckener Zweigverein zu engagieren, mit den Wanderfreunden unterwegs zu sein. "Das konnte ich früher nicht." Denn mehr als 20 Jahre stand Regina Rinke als Rhönklub-Präsidentin im wahrsten Sinne des Wortes an erster Stelle.
Sie war die 7. Rhönklub-Präsidentin – übrigens die erste Frau in dieser Funktion -, als sie im Jahr 1989 in dieses Amt gewählt wurde. In den 112 Jahren zuvor gab es sechs Präsidenten, "das spricht ja schon mal für sich", denn so hatte durchschnittlich jeder von ihnen fast 20 Jahre den Vorsitz. Und alle diese Präsidenten wurden am Tag ihrer Verabschiedung zum Ehrenpräsidenten ernannt.
Regina Rinke war damals Vizepräsidentin, erinnert sich noch sehr gut an die Verabschiedung ihres Vorgängers Alfons Lühn. Das war Ende Januar 1988. Sie überreichte ihm eine große Ernennungs-Urkunde zum Ehrenpräsidenten und ein Rhönklub-Abzeichen aus purem Gold.
Im Vorfeld der Neuwahlen des Hauptvorstandes im letzten Jahr hatte Regina Rinke Zweifel: Ursprünglich wollte sie nicht mehr antreten. Aber sie wollte auch nicht die Hände in den Schoß legen, zu sehr ist sie dem Rhönklub verbunden. Vielleicht kandidiert sie doch noch einmal? "Ich bekam viele Anrufe, das soll ich auf keinen Fall machen." So entschied sie, sich nicht erneut zur Wahl zu stellen, "denn man war offensichtlich der Meinung, es reicht". Das hat schon weh getan, blickt sie zurück.
Dann kam der Tag ihrer Verabschiedung – sie wurde nicht zur Ehrenpräsidentin ernannt. "Das war der erste Fußtritt." Sie erhielt einen Blumenstrauß und ein Schild aus Ton "Bin im Garten"...
22 Jahre war sie Präsidentin des traditionsreichen Vereins, zuvor vier Jahre Vize-Präsidentin. Und ganz "nebenbei" war sie auch noch Pressewartin. Sie sorgte mit ihren Artikeln dafür, dass die "breite Masse" informiert wurde – beispielsweise über das vielfältige Wanderangebot. Das hätte sie gern fortgeführt, doch auch als Pressewartin war sie nicht mehr willkommen. "Mir wurde gesagt, es wird alles anders organisiert – das war der zweite Fußtritt." Und der dritte folgte im Vorfeld des 2. Rhöner Wandertages, der letztes Jahr in Geisa angesagt war. Ursprünglich sollte Regina Rinke wegen ihrer Verdienste die Führung der Promiwanderung übernehmen und ein Grußwort schreiben – der Flyer war schon gedruckt. Doch dann kam die Absage...
Weil sie keine Ehrenpräsidentin geworden war, erhielt sie auch keine Einladungen zu den Sitzungen mehr. "Alles war wie mit der Rasierklinge abgeschnitten." Sie ließ es sich nicht nehmen, schrieb weiter Presse-Artikel für die Internet-Seite des Rhönklubs. Dann wurde beim Homepage-Betreuer gefragt: Wieso steht da soviel von Frau Rinke? Also wurde auch diese Schiene gekappt.
Sehr gut erinnert sie sich an die Heidelsteinfeier im vergangenen Jahr. Eigentlich wollte sie daran nicht teilnehmen. „ich nehme sonst keinen Termin mehr wahr“. Doch weil es Tradition ist, dass bei dieser Feier der verstorbenen Mitglieder des Rhönklubs gedacht wird, machte sie sich auf. Denn ihr Mann Günter war im November 2010 nach langer Krankheit verstorben. Er war dem Rhönklub genauso eng verbunden wie sie. 32 Jahre lang war er Hauptwegewart. Und während der Gedenkfeier auf dem Heidelstein wurde sein Name zwar genannt – aber auf eine ihm gebührende Würdigung wartete sie vergebens. Das hat schon sehr geschmerzt, erklärt Regina Rinke. "Ich habe keine Erklärung dafür", sagt sie. Und obwohl sie stark sein möchte, die Tränen kann sie nicht unterdrücken. "Der Rhönklub war doch unser Kind."
Eine wunderschöne Zeit
Es war eine wunderschöne Zeit, blickt sie zurück. "Ich habe plötzlich Seiten an mir entdeckt, die ich gar nicht kannte. Dass ich mich so für etwas begeistern konnte", schwärmt sie noch heute. Als es an die Vorbereitung des Deutschen Wandertages 2008 ging, "da ist alles so richtig rausgesprudelt an Ideen". Mit den Mitarbeitern gemeinsam wurde enorm viel organisiert – viele Kontakte ergaben sich im Laufe der fast vier Jahre dauernden Vorbereitung. Der Landkreis Fulda bezuschusste sogar eine zusätzliche Arbeitskraft. "So etwas erlebt man nur einmal in seinem Leben", ist sie noch heute ganz begeistert von diesem Deutschen Wandertag mit all seinen Gästen.
Regina Rinke kam 1962 als Lehrerin nach Wildflecken, der Liebe wegen. Sehr schnell war sie Kulturwartin des hiesigen Rhönklub-Zweigvereins, dann des Sinngaus. "Und plötzlich habe ich die Kulturschätze der Rhön entdeckt." Ursprünglich war es der Plan von Regina und Günter Rinke, nach einem Jahr der Region wieder den Rücken zu kehren. Doch daraus wurde nichts. Der damalige Schulrat gab ihnen einen Rat, der seine Folgen hatte: "Sie haben die herrliche Natur vor der Haustür. Wenn sie Kummer haben, dort werden sie ruhig". Daraus wurde also eine Liebe fürs Leben...
Ihre erste Begegnung mit der Region hatte Regina Rinke während eines Landschul-Praktikums, das sie nach Wechterswinkel führte. Von dort aus besuchte sie die Lichtenburg bei Ostheim, Mellrichstadt, durchstreifte die Natur. Nach Ende des Studiums ging sie zunächst zu ihren Eltern ins Ruhrgebiet, unterrichtete dort. Während ihrer Ausbildung hatte sie ihren späteren Ehemann Günter kennen gelernt, er war nach Neuwirtshaus gezogen. Doch die "Wohnung“ war alles andere als komfortabel. Im Winter war bei knackiger Kälte sogar das Aquarium eingefroren – der Goldfisch in der Mitte hatte nur noch wenig Platz...
Damals war klar: Ein Lehrer muss im Dorf wohnen, das Paar machte sich auf die Suche. Es schaute sich mehrere Schulen an. Die Entscheidung fiel klar auf Wildflecken – weil die Wohnung dort eine Zentralheizung hatte. Und weil Lehrer nicht nur im Ort wohnen, sondern auch Rhönklub-Mitglied sein "sollten", nahm das "Schicksal" seinen Lauf. Sie erinnert sich noch gut an einen Heimatabend in Wildflecken, als der Redner sagte, man muss mit den Rhönern erst einen Zentner Salz gegessen haben, um sich heimisch zu fühlen. "Da ich viel Salz wegen meines niedrigen Blutdrucks brauche, hatte ich diesen Zentner bald verspeist", lacht sie aus vollem Herzen.
Insgesamt 43 Jahre unterrichtete Regina Rinke, bevor sie 1999 in den Ruhestand ging. Und damit hatte sie noch mehr Zeit für den Rhönklub. Im Sommer 1989 wurde sie Präsidentin des traditionsreichen Vereins. Sie wird nie vergessen, dass sie in ihrer Antrittsrede sagte: Es wäre schön, wenn ich für die ganze Rhön Präsidentin sein könnte. Wenige Monate später fiel der Eiserne Vorhang. Das hätte damals kein Mensch geglaubt... "Es war ein verrücktes Jahr 1990", erinnert sie daran, dass in Thüringen die Neugründungen der Zweigvereine anstanden. "Das war eine Euphorie damals."
Es tut schon weh, dass sie so aufs "Abstellgleis" verwiesen wurde. Aber sie wäre nicht Regina Rinke, würde sie den Kopf in den Sand stecken. Sie ist seit über 40 Jahren Dirigentin im Gesangverein und ist jetzt dabei, ein Buch zu schreiben. Die 50 schönsten Ausflugsziele, die Perlen der Rhön, will sie den Menschen näher bringen. Und sie engagiert sich im Rhönklub-Zweigverein Wildflecken, wandert wieder mit, genießt die Theater-Besuche oder die Ausflüge. Als letztens ein anderer Zweigverein zu Gast war, hat in der Küche mitgeholfen und die Besucher mit bedient. "Das kann ich jetzt alles machen, weil ich Zeit habe und weil es Spaß macht", freut sie sich über diese Aktivitäten.















