Neuwirtshaus
Revierförster wurde ermordet
Die 1840er Jahre standen ganz unter dem Zeichen übelster Wilddiebereien, steht in der Jagdgeschichte des Forstamtes Neuwirtshaus geschrieben. Trotz aller Behördenmaßnahmen stiegen die Wildfrevel immer weiter an.
Das ist im Vortrag von ORFR Oskar Joseph Link vor der BJV-Frühjahrsversammlung der Kreisgruppe Hammelburg im April 1968 in der Gaststätte Wald, Hetzlos, nachzulesen. Das Thema des Vortrages lautete: Wildstand und Jagd im Bereich des Forstamtes Neuwirtshaus - einst und jetzt. Lesen Sie heute den zweiten Teil eines Auszugs aus der Historie.
Die Wildfrevel fanden ihren ersten Höhepunkt in der Ermordung des Revierförsters Klöslein in Burgwallbach. Man sprach daraufhin die Bitte aus, den Kaufleuten den Handel mit Pulver zu entziehen und diesen nur den Apotheken zu erlauben. Allerdings sei das Pulver den Ökonomen bei Krankheitsfällen ihres Viehes ein unentbehrliches Hilfsmittel. Dem könne aber abgeholfen werden, wenn man dem Pulver vor Abgabe an Kuhschmiede, Viehärzte und große Hofbesitzer durch eine geringe Beimischung von Alaun die Entzündung nähme.
Verwegene Bandenwilderei
Das Revolutionsjahr 1848 brachte allerorten eine tolle und verwegene Bandenwilderei. Das Landgericht Hammelburg erteilte den Auftrag, die Einwohner von Schwärzelbach, Hetzlos, Frankenbrunn und Reith sofort temporär zu entwaffnen und nötigenfalls hierzu Militär zu requirieren. Bei dieser Aktion hatte das Forstpersonal mitzuwirken. In Hassenbach wurden tatsächlich 30 bis 40 Mann Militär eingesetzt, die ständig Patrouillen um Oberthulba und die schon erwähnten Ortschaften machten. Viel kam dabei nicht heraus, die Banden ergriffen aber doch meist das Hasenpanier, es sei denn, dass sie es mit einem einzelnen Forstbeamten zu tun hatten. Der Revierförster Kaufmann von Geiersnest von 1849 von Wilderern so zusammengeschossen, dass er wehrunfähig blieb.
Die Zentrale der Wilderer war der entlegene Seifertshof, wo regelmäßig heimliche Zusammenkünfte stattfanden. Am 8. Juli 1923 ereignete sich der letzte schwere Fall von Wilderei, wo eine Bande von Frankenbrunner Wilderern die Bornhag mit vorgehaltenem Gewehr durchstreifte. Oberforstverwalter Brendel traf mit ihnen zusammen, sie warfen ihre Gewehre nicht weg, so dass Brendel in Notwehr zwei von ihnen tötete. Der Beamte handelte ganz nach seiner Dienstvorschrift und wurde deshalb freigesprochen. Mit diesem Akt erlosch die Bandenwilderei für immer.
Interessant ist ein Blick auf Birkwild und Auerhahn. So stieg im Jahr 1832 der Bestand an Auerwild auf 43 Stück, der an Birkwild auf 42. Im gleichen Jahr entstand der Plan eines Wildparkes, wobei das Staatswaldgebiet wegen Beschädigung der angrenzenden Fluren durch Rot- und Schwarzwild gänzlich eingezäunt werden sollten. Dieser Plan wurde jahrzehntelang verfolgt, kam aber nicht zur Ausführung.
1942 wurde der letzte Auerhahn geschossen. Der starke Schwarzwildbestand hatte dieses edle Wild nahezu ausgerottet. Erst durch die Einzäunung großer Kulturen nach dem Kriege hat es sich soweit wieder erholt, dass 1960 erstmals wieder ein Hahn freigegeben werden konnte.
Auf einen Punkt wollte Oskar Joseph Link zum Schluss seines umfangreichen Vortrages noch hinweisen. Es handelt sich um den Zaunbau entlang der Autobahn, den ich von Anfang an gefordert habe. Einmal, um die wildverluste so klein wie möglich zu halten, zum anderen aber, um Opfer an Menschenleben und Sachwerten zu vermeiden. Die Autobahnverwaltung zeigt sich bis jetzt absolut uneinsichtig. Ich habe Herrn Reg.Baudirektor bei der Auseinandersetzung in Schondra erklärt, dass der Zaun spätestens nach dem 100.ten Toten doch gebaut werden, warum nicht gleich. Stattdessen wollte er mit Wildblenden und mit Wildwechselschildern operieren. Aber welcher Autofahrer setzt auf einer Schnellbahn seine Geschwindigkeit unter 60 km zurück - das ist gerade die Grenze, wo einer noch die Chance des Überlebens hat, wenn er frontal mit einem zwei Zentner schweren Wildkörper zusammensprallt? An die Blenden gewöhnt sich das Wild schon sehr bald, das beweisen die reflektierenden Begrenzungspfähle entlang unserer Bundesstraße. Hier werden bei wesentlich geringeren Geschwindigkeiten jährlich drei bis fünf Stück totgefahren.
Seit Hunderten von Jahren ist das Rotwild in seiner Verhaltensweise ein sturer Wiederkäuer an seine Wechsel und angestammten Brunftplätze gewohnt. Es gibt solche Gewohnheiten nicht ohne weiteres preis, zumindest nicht in der zurzeit lebenden Generation. Nur ein starker Zaun, der 15 Jahre stabil bleiben muss, kann das Wild abhalten, über die Autobahn zu wechseln und damit sich und den Verkehrsteilnehmer in höchste Lebensgefahr zu bringen....
Quelle: Die Jagdgeschichte des Forstamtes Neuwirtshaus

